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Fataler Irrglaube

12. Mai 2005

BITBURG. (api) „Körperlich beeinträchtigte Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt“, heißt es in mancher Stellenanzeige. Doch wie sieht die berufliche Integration Behinderter wirklich aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Abschlussdiskussion des internationalen Symposiums der Initiative „Mehr Wert für alle“ in Bitburg.

Rund 40 Millionen Europäer zwischen 16 bis 64 Jahren geben an, behindert zu sein oder an einer chronischen Krankheit zu leiden. Doch sie müssen dem Arbeitsmarkt nicht verloren gehen - vorausgesetzt, Unternehmen gehen entsprechend auf sie ein.
Im Rahmen eines Symposiums der Initiative „Mehr Wert für alle“ wurde deutlich, dass zunächst ein Bewusstsein für den Umgang mit behinderten Bewerbern geschaffen werden muss. „In Deutschland heißt 'Integration Behinderter' oft auch 'Isolation' in speziell für sie eingerichteten Beschäftigungsstätten“, sagt Frank Kröller, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Integrationsbetriebe. Dabei sei ein ganz normaler Umgang mit Behinderten im Alltag erstrebenswert.

Doch viele Personalchefs sträuben sich vor der Einstellung körperlich beeinträchtigter Bewerber. „Viele denken, diese seien weniger leistungsfähig“, kritisiert Diedenhofen. „Das ist jedoch ein Irrglaube. Gerade bei beeinträchtigten Mitarbeitern sind großes Engagement und viel Ehrgeiz vorhanden.“

Dennoch stellen körperlich beeinträchtigte Arbeitskollegen eine Seltenheit dar. Theo Scholtes beschreibt die Situation in der Bitburger Brauerei: „Wir können bei Bewerbungen aus dem Vollen schöpfen. Und so nehmen wir häufig die besten Bewerber ohne Einschränkungen.“ Die Bitburger Brauerei habe zur Zeit eine Behindertenquote von etwa drei Prozent. „Das ist zu wenig, und ich werde das Thema im Unternehmen neu aufgreifen“, verspricht Scholtes.

Allerdings machen es die Behörden Personalchefs schwer, behinderte Bewerber einzustellen. „Die Bundesagentur für Arbeit etwa hat sich aus der Förderung Behinderter sehr zurückgezogen“, bemängelt Karl-Hermann Seyl von der Liga Vertreter der freien Wohlfahrtsverbände Rheinland Pfalz. „Wo ist da der Einfluss der Politik, eine Gegenrichtung einzuschlagen?“



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